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„Jeder, der etwas mit Tennis zu tun hat, wird hier sein digitales Zuhause finden“

Ab 2024 soll die Internetplattform tennis.de der digitale Dreh- und Angelpunkt in Tennis-Deutschland werden. Im Interview gibt DTB-Vizepräsident Raik Packeiser Einblicke in das Projekt und stellt erstmals die Planungen für die Bezahlvariante tennis.de PLUS vor.

Herr Packeiser, mit Beginn 2024 soll tennis.de, die neue Web-Plattform von DTB und Landesverbänden, an den Start gehen. Welche Bedeutung hat dieses Projekt?

tennis.de ist ohne Zweifel eines der größten Modernisierungsprojekte im deutschen Tennis. Wir schaffen hier etwas, das es in dieser Form noch nicht gab: eine zentrale, digitale Anlaufstelle für alle Interessensgruppen in Tennis-Deutschland. Mit dieser Plattform wollen wir das teilweise etwas unübersichtliche Stückwerk zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Am Ende sollen Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Vereine, Tennisinteressierte und Tennisfans auf einer Plattform, die für sie passenden Inhalte wiederfinden. Jeder, der in Deutschland etwas mit Tennis zu tun hat, wird hier sein digitales Zuhause finden.

Nehmen Sie uns einmal mit in eine Sneak Preview. Was kann die Tenniscommunity konkret erwarten?

In erster Linie einen maßgeschneiderten Service für alle ihre Anliegen, die mit Tennis zu tun haben. In der digitalen Welt wird immer viel von Nutzerzentrierung gesprochen, wir versuchen das in diesem Projekt zu leben. Konkret heißt das: Wenn ich mich als Spieler künftig auf Tennis.de bewege, werden mir passende Services wie Turniere in meinem Umfeld, die Suche nach einem Spielpartner, persönliche Statistiken oder Möglichkeiten zur Platzbuchung in der Nähe angezeigt. Unser Anspruch ist, dass ein Tennisspieler in der digitalen Welt künftig ausschließlich tennis.de ansteuern muss.

Welche Ziele verfolgen der DTB und seine Landesverbände mit tennis.de und tennis.de PLUS?

Es ist ein zukunftsweisender Prozess für unsere Verbandsstruktur. Denn klar ist: Wir wollen und müssen uns verändern und modernisieren, um auf einem hart umkämpften Sport- und Freizeitmarkt zeitgemäß und attraktiv zu bleiben. Dazu müssen wir in erster Linie die Weichen für eine digitale Zukunft des Tennissports in Deutschland stellen. Mit tennis.de schaffen wir optimale Voraussetzungen, um die digitale Präsenz des Tennissports zu steigern. Darüber hinaus wollen wir aber auch als Tenniscommunity näher zusammenrücken und noch enger mit unseren 17 Landesverbänden zusammenarbeiten. Auch das zeigt das Projekt eindrucksvoll.

Inwiefern?

Im Rahmen der Umsetzung von tennis.de bieten wir unseren Landesverbänden an, mit ihnen gemeinsam neue Web-Präsenzen zu schaffen, die sich an der Darstellung von tennis.de orientieren und die dort auch prominent integriert werden. So schaffen wir für den Nutzer eine digitale Welt ohne Systembrüche und darüber hinaus profitieren wir von umfangreichen Synergieeffekten, die für alle Beteiligten technische und wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. Durch tennis.de wird die Bündelung der Kräfte in Tennis-Deutschland, die wir in den vergangenen Jahren vorangetrieben haben, nun auch öffentlich sichtbar.

Inwieweit kann tennis.de dem Tennissport in Deutschland auch wirtschaftlich zu Gute kommen?

Da ist auf der einen Seite die Vermarktung. Wir erhoffen uns von tennis.de höhere Einnahmen, weil wir besser auf die Bedürfnisse unserer Partner eingehen und neue Möglichkeiten der Integration anbieten können. Zusätzlich wollen wir mit einer tennis.de PLUS Variante eine weitere Möglichkeit schaffen, in die Zukunft von Tennis-Deutschland zu investieren. Wenn wir gestalten und auch in Zukunft konkurrenzfähig sein wollen, brauchen wir zusätzliche Einnahmen. Sie dienen dazu, den Tennissport hierzulande zu fördern, auf und neben dem Platz. Vom Breitensport bis hin zur Spitzenförderung, von der Infrastruktur bis hin zur Digitalisierung. Diese Planungen müssen jedoch erst noch auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juli dieses Jahres verabschiedet werden.

Was verbirgt sich genau hinter tennis.de PLUS?

Mit tennis.de PLUS wollen wir in erster Linie den 1,5 Millionen Tennisspielern, den 400.000 Wettkampfspielern, den 30.000 Ehrenamtlichen und den 15.000 Trainern ein digitales Zuhause bieten, das Alles bereithält, was sie für ihr Tennisspiel benötigen. Eine jährliche Mitgliedschaft würde 20 Euro kosten und im Gegenzug zur Teilnahme am wertungsrelevanten Spielbetrieb berechtigen. Darüber hinaus würde es für PLUS-Mitglieder viele zusätzliche Services geben, die über das Basisangebot hinausgehen.

Wie profitieren Spieler davon?

Was uns am Herzen liegt, ist Übersichtlichkeit und Transparenz. Künftig würden die Spieler im Rahmen einer jährlichen tennis.de PLUS Mitgliedschaft ihre Spiellizenz für den Mannschaftsspielbetrieb und sämtliche Turniere bekommen. Durch die Flatrate würden alle bestehenden Gebühren wie das DTB-Turnierteilnehmerentgelt oder die mybigpoint-Premiumgebühr wegfallen. Zusätzlich würden die Spieler Gutscheine im Wert von 30 Euro für Tennis-Equipment erhalten und von diversen digitalen Zusatzfunktionen profitieren.

Auf den ersten Blick werden durch dieses Modell vor allem die Vielspieler, mybigpoint-Premiummitglieder und Turnierveranstalter deutlich entlastet. Aber was ist beispielweise mit den Spielern, die auf einer Meldeliste stehen, aber gar nicht zum Einsatz kommen?

Natürlich möchten wir auf der einen Seite, die Menschen belohnen, die sich sehr aktiv im Tennis engagieren, ob nun als Spieler oder im Ehrenamt. Gleichzeitig aber war es uns von Anfang an wichtig, dass wir den Mannschafts-Wettspielbetrieb nicht übermäßig belasten. Daher würden nur wirklich aktive Wettkampfspieler auf dem Platz von der Zahlungsverpflichtung, für die übrigens auch ein Verein aufkommen könnte, erfasst. Die Mannschaftsmeldung und die Durchführung des Wettkampfes blieben im ersten Jahr unangetastet. Aktive Wettkampfspieler unter zehn Jahren wären ebenfalls befreit.

Wurden in den Gremien auch alternative Modelle diskutiert?

Natürlich wurden in den verantwortlichen Arbeitsgruppen und Gremien auch intensiv über das alternative Szenario einer klassischen Beitragserhöhung gesprochen. Letztendlich war es aber aufgrund der dadurch entstehenden enormen finanziellen und administrativen Belastung für unsere Vereine mehrheitlicher Konsens, sich auf das jetzige tennis.de PLUS-Modell zu konzentrieren. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit dem jetzigen Modell, in dem der DTB für die gesamte Abwicklung verantwortlich zeichnet, die Variante mit dem größten Potential für alle relevanten Zielgruppen entwickelt haben.

Was ist mit den anderen wichtigen Menschen, die das Tennis hierzulande unterstützen wie  Trainern und Ehrenamtliche?

Alle Genannten könnten bei tennis.de PLUS ebenfalls Gutscheine im Wert von 30 Euro und Zugriff auf die für sie zugeschnittenen digitale Services erhalten. Unsere lizensierten Trainer, von denen es etwa 15.000 in Deutschland gibt, würden mit der Aktivierung von tennis.de PLUS zusätzlich von einer Kostenreduzierung ihrer bestehenden Jahresgebühr profitieren. Anstelle von aktuell 29 Euro pro Jahr bräuchten sie nur noch 20 Euro bezahlen und damit ihre Wettkampfberechtigung “gratis” dazu erhalten. Die rund 36.000 ehrenamtlichen Vereinsfunktionäre in den 8.800 Tennisvereinen könnten vom Verein als Zeichen der Wertschätzung für ihr Engagement mit einer kostenfreien tennis.de PLUS-Mitgliedschaft ausgestattet werden.

Was können der Hobby- und Freizeitspieler und Tennisinteressierte perspektivisch von tennis.de und tennis.de PLUS erwarten?

Auch für diese Zielgruppen werden wir unser digitales Angebot nach und nach umfangreich erweitern und nutzerorientiert anpassen. So unterstützen wir hier sie unter anderem mit einer Vereins-, Trainer- und Platzsuche, sowie den Trainingsangeboten unserer lizensierten Tennistrainer in Deutschland. Und tennis.de PLUS inklusive Gutscheine im Wert von 30 Euro, könnte als freiwilliges Angebot auch von Interessierten dazugebucht werden.  

Dennoch wird es sicherlich Menschen geben, die nicht verstehen, dass sie mit dieser Reform künftig für etwas bezahlen müssen, was sie vorher kostenlos bekommen haben.  

Ich kann diese Bedenken durchaus nachvollziehen. Insbesondere in Zeiten von steigenden Lebenshaltungskosten freut sich keiner über eine zusätzliche Belastung. Und doch sind wir überzeugt, dass dieses Paket seinen Preis verdient hat. Außerdem gibt es noch einen anderen Faktor, der mir persönlich sehr wichtig ist. Gemeinsam mit den Landesverbänden haben wir viele Themenfelder in die wir investieren müssen, wie beispielsweise die Vereins- und Mitgliederentwicklung, die Kinder- und Jugendförderung und den Ausbau der Turnierlandschaft. Wenn wir auch in 20 Jahren noch unter diesen Bedingungen Tennis spielen möchten, nur etwas nachhaltiger, moderner und digitaler und vielleicht auch etwas erfolgreicher, dann benötigen wir dafür die Solidarität unserer Sportler, Trainer, Schiedsrichter, Betreuer und Ehrenamtlichen. Wir haben in Deutschland eine große und starke Tenniscommunity, mit der wir gemeinsam das deutsche Tennis für die Zukunft rüsten möchten.